wahlkampf 2013 frühling

interview mit geri

Stadtammannwahl

Auf das Profil kommt es an

Der Wahlkampf zum zweiten Wahlgang entlud sich fast zur Gesamtheit auf der Person von Geri Müller. Wurde im ersten Wahlgang noch Müllers Nationalratsmandat kritisiert, war es im zweiten Wahlgang dessen aussenpolitisches Engagement. Sowohl die Kritik als auch die (mehrheitlich kritisierende ) Medienberichterstattung erreichten mitunter ein durchaus fragwürdiges Niveau. So wurde etwa Müllers Familienleben öffentlich ausgebreitet. Oder Baden im Fall einer Wahl Müllers als Wallfahrtsort für Terroristen heraufbeschworen. Tatsächlich wurde Baden einzig Wallfahrtsort für Niveautiefflieger. Dabei wurde mit harten Bandagen gekämpft. Weil wir hart toll finden - vor allem harte Fakten - haben wir Geri zarte Fragen gestellt:

geri 551

Geri, herzliche Gratulation. Was ist Deine wichtigste Botschaft an Deine Wählerinnen und Wähler?
Herzlichen Dank für Euren unerschütterlichen Effort für diesen Wahlgewinn. Ihr habt Euch trotz unorthodoxen Vorwürfen nie beirren lassen, ich konnte voll auf Euch zählen. Vielen Dank für das Vertrauen!
 
Was wird Deine erste Amtshandlung sein?
Die neue Konstitution des Stadtrates (Ressortverteilungen, Amtsübergaben). Dann werde ich alle Verwaltungsabteilungen begrüssen und anhören.
 
Wie bereitest Du Dich auf den 1. April vor?
Ich geb acht, dass mich keiner reinlegt (lacht). Im ernst: Ich bin seit der Wahl schon an einigen Treffen, Sitzungen, Projektleitungen dabei gewesen. Stephan Attiger hat mich selbstverständlich überall gut eingeführt. Mit den engsten MitarbeiterInnen habe ich zahlreiche Gespräche und Vorbereitungen.
 
Welche Akzente könntest Du in der kurzen Zeit bis zu den Erneuerungswahlen im Herbst setzen?
Ich bereite mich auf eine längere Amtszeit vor. Ich werde mich mit den umliegenden Gemeinden zusammensetzen, um eine grössere Fusion vorzubereiten. Als Gegenstück werde ic die Quartiere mehr in die vielen Projekte, welche in Baden bereits laufen integrieren. Die Menschen in Baden sollen die Veränderungen mitgestalten können.
 
Wie unterstützt Du das lokale Gewerbe?
Das Badener Gewerbe ist innovativ und freiheitsliebend, wird aber teilweise auch durch grössere Umbauvorhaben beeinträchtigt werden. Ich werde weiterhin mit ihnen im Kontakt bleiben, damit Probleme frühzeitig erkannt werden können.
  
Was dürfen die Quartiere von Dir erwarten?
Die Quartiere sind die eigentlichen Lebenszentren der BewohnerInnen. Die meisten QV engagieren sich demnach auch für das Leben vor Ort, was von Quartier zu Quartier unterschiedlich ist. Diese Arbeit ist sehr wertvoll und muss teilweise unterstützt werden. Ich möchte auch alle Quartiere in kurzer Zeit besuchen, damit ich weiss, wo wem der Schuh drückt. Ich möchte sie auch in die Veränderungsprozesse einbeziehen.
 
Der Kanton ist Bauherr des Schulhausplatzes. Was kann die Stadt tun, um während des Umbaus das Chaos in Grenzen zu halten?
Von Seiten Stadt beobachten wir natürlich auch den Bauprozess und haben dafür unsere Fachleute. Sie werden sich einsetzen, wenn es Probleme gibt. Ich weiss aber auch, dass der oberste Bauherr noch vor kurzem Badener Stadtammann war, und sicher mithelfen wird, den Prozess gut zu gestalten...

wahlkampf 2013 ammann und stadtrat

Ammannwahl Frühling 2013

Perfekte Überraschung

Am 3. März 2013 geschah in Baden, was kaum eine/r für möglich gehalten hatte: Das Ammann-Amt fiel erstmals nach über 60 Jahren in linke Hände. Weniger überraschend: Die FDP, stärkste Partei im Einwohnerrat, verlor ihren zweiten Sitz. 

Auslöser war die - sich abzeichnende - Wahl von Stadtammann Stephan Attiger (FDP) in den Regierungsrat des Kantons Aargau und die damit einhergehende Ersatzwahl des Stadtammanns sowie notgedrungen eines Mitglieds des Stadtrats. Die FDP-Stadtpartei ("mit Herz, Verstand und Badener Geist") portierte den amtierenden Stadtrat Roger Huber als Stadtammann sowie den Vize-Präsidenten des Einwohnerrats, Peter Courvoisiser, als Stadtrat. Die CVP nominierte als Ammannkandidaten ihren Stadtrat Markus Schneider. Diesen hatte sie in weiser Voraussicht als Nachfolger des während der Legislatur zurückgetretenen Kurt Wiederkehr für diese Wahl in Stellung gebracht. Huber und Schneider signalisierten ihre Bereitschaft noch vor der Wahl Attigers in den Regierungsrat. Ende Oktober 2012 erfolgte die Nomination von Vizeammann und Nationalrat Geri Müller und schliesslich im November 2012 die Kandidatur von Ruth Müri. Als Ammann und um den Stadtratssitz kandidierten im Weiteren Sander Mallien (GLP), Stella Palino und Heinz Blaser. Nach dem ersten Wahlgang im Januar 2013 führte Müller die Stadtammann-Trojka mit 1629 Stimmen an. Auf Platz zwei lag Roger Huber mit 1495 Stimmen, dicht gefolgt von Markus Schneider mit 1409 Stimmen. Sander Mallien holte 109 Stimmen, Stella Palino kam auf 81 Stimmen, das Stadtoriginal Heinz Blaser erreichte 65 Stimmen. Bei der Stadtratsersatzwahl lagt Peter Courvoisier mit 1898 Stimmen knapp vor Ruth Müri mit 1882 Stimmen, gefolgt mit etwas Abstand von Sander Mallien (490 Stimmen), Stella (276 Stimmen) und Heinz Blaser (189 Stimmen). 

Aus sechs mach zwei

Während die CVP noch am Wahlabend - zu recht - verlauten liess, Schneider sei der bürgerliche Kandidat mit dem grössten Potenzial, ging die FDP mit einer zwischen Schneider und Huber vertraulich abgeschlossenen Vereinbarung in die Presse, wonach derjenige, der weniger Stimmen erhält, im zweiten Wahlgang nicht mehr antrete. Die FDP setzte Schneider zudem medial unter Druck. Schneider zeigte sich enttäuscht, dass die Abmachung vorzeitig publik gemacht worden war, hielt aber Wort und zog sich zurück. Mallien, Stella und Blaser traten ebenfalls nicht mehr an. 

Kampf mit harten Bandagen

Der Wahlkampf zum zweiten Wahlgang entlud sich fast zur Gesamtheit auf der Person von Geri Müller. Wurde im ersten Wahlgang noch Müllers Nationalratsmandat kritisiert, war es im zweiten Wahlgang dessen aussenpolitisches Engagement. Sowohl die Kritik als auch die (mehrheitlich kritisierende ) Medienberichterstattung der AZ erreichten mitunter ein durchaus fragwürdiges Niveau. So wurde etwa Müllers Familienleben öffentlich ausgebreitet. Oder Baden im Fall einer Wahl Müllers als Wallfahrtsort für [islamistische] Terroristen heraufbeschworen. Tatsächlich wurde Baden einzig Wallfahrtsort für Niveautiefflieger. Gekämpft wurde mit harten Bandagen. Und damit die Berichterstattung des Frühlings 2013 der Nachwelt erhalten bleibt, sammeln wir nachstehend gewissermassen das 'Best of'. Das Resultat des Duells fiel mit 34 Stimmen Unterschied äusserst knapp aus.

Deutlicher Entscheid für Müri

Der Stadtratswahlkampf präsentierte sich weit weniger aufgeregt. Zwar wurde verschiedentlich darauf hingewiesen, diese Wahl sei nachgerade wichtiger als die Ammannwahl, entscheide sie doch über eine bürgerliche oder links-grüne Mehrheit und links-grün regierte Städte seien notorische Ausgabensünderinnen. Ehrlicherweise unternahm die bürgerliche Gegnerschaft aber nicht einmal den Versuch, zu erörtern, inwiefern Müri, die profilierte Geografin aus der Bankenwelt, in diesem Punkt etwas nicht im Griff haben sollte. Am Schluss erzielte Müri die meistem Stimmen in diesem Wahlkampf und errang der Sitz mit deutlichem Vorsprung.

Medienspiegel 

Coming-out: Huber und Schneider wollen Ammann werden 

vor dem 1. Wahlgang: Die Prognosen

1.Wahlgang: Die Analyse

Wahltaktik: Der Deal vom Roten Turm

Rechtfertigung I (CVP): Deal war nicht dumm

Rechtfertigung II (FDP): Warum der Deal publik wurde

Einer muss weg: Huber setzt Schneider unter Druck

Am Tag danach: FDP beklagt fehlende Unterstützung der CVP

Plötzlich aufgetaucht: Geri Müllers heikle Gäste im Bundeshaus

Harte Bandagen: Müller, Hamas und die Juden

 

 

 

Geri Müller

ein Ammann für alle

geri mosaik

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