Wohl kaum. Eher dürfte der Motorisierte Individualverkehr zunehmen. Schätzungen zufolge dürfte die Gesamtkapazität des Schulhausplatzes um bis zu 10% zunehmen. Sollte sich der Kanton mit seinem Anliegen, die Eisenbahnunterführung beim Schadenmühlenstich abzusenken, um die Durchfahrt von Lastwagen zu ermöglichen, durchsetzen, werden 40 schwere Lastwagen mehr durch Baden donnern - und zwar solche die bisher einen Umweg um Baden fuhren.

Wir finden, es ist Zeit, einen Schritt zurück zu machen und sich zu überlegen, was Optionen sind - und welches die eigentlichen Probleme.

Wünsche...

Auslöser der Planungen war, dass der Schulhausplatz nach rund vierzig Jahren seine Lebensdauer erreicht hat. Der eigentliche Kern des Projekts ist eine einfache Belagssanierung - unbestritten. Aufwand: eine bestimmte Menge Asphalt und einige Farbkübel weisser und gelber Farbe für Bodenmarkierungen. Teurer vielleicht noch eine neue Lichtsignalanlage. Und: eine geschickte Baustellenorganisation, welche die Nerven der Verkehrsteilnehmer während der Sanierung schont.

Nun wurde aber begonnen, das Fuder zu beladen. Der Wunsch nach einer Weiten Gasse zum flanieren sollte gleichzeitig umgesetzt werden. Von anderer Seite wiederum kam der Wunsch auf, die Wege für Fuss- und Veloverkehr zu verbessern. Genauso verständlich: das Stadtbild, welches unter der Verkehrssanierung gelitten hat, sollte repariert werden. Und, nichts weniger als das: das Verkehrsproblem solle endlich durch einen grossen Wurf gelöst werden.

... und Wunschdenken

Begonnen mit dem Ärgsten: Das Verkehrsproblem ist nicht ein Problem des Schulhausplatzes. Dieser ist nur dessen Bühne. Jeder, der sich in Oberrohrdorf, in Birmenstorf oder auch in Baden in sein Auto setzt und in die Innenstadt fährt, ist Verursacher des Problems. Mit einer Erhöhung der Kapazität am Schulhausplatz erreicht man nur, dass der Stau an anderen Orten stattfindet. Oder von der anderen Seite her betrachtet: Es ist schön und wichtig, dass Baden als Einkaufs-, Freizeit und Pendlerstadt so beliebt ist. Dass die Verkehrspolitik aber im letzten Jahrzehnt hunderte(!) neuer Parkplätze in der Innenstadt geschaffen hat, verursacht ein Verkehrsproblem, das sich unter anderem am Schulhausplatz äussert.

Busfrei aber nicht verkehrsfrei

Auch das Bild von flanierenden Menschen und gemütlichen Strassencafés in der Weiten Gasse wird leider nur ein Bild der Phantasie bleiben. Anlieferungsverkehr für die Geschäfte sowie eine bis zwei Buslinien werden weiterhin eine Verkehrsfläche bedingen - trotz Investitionen von mehreren 10 Millionen Franken für Bustunnels wird dieser Wunsch also nicht vollumfänglich erfüllt werden.

Geheimakte Schulhausplatz?!

Wichtig: Zwar beteiligen sich der Kanton und auch der Bund an dem Projekt - ein grosser Teil der Bausumme bleibt aber an der Stadt Baden hängen. Die Frage nach der Wirkung der vorgesehenen Massnahmen muss also rechtzeitig gestellt werden. Umso seltsamer scheint, dass zur Zeit der Eindruck entsteht, dass das Projekt so gut wie durchgewunken sei. Stadtrat und Stadtverwaltung befassen sich im stillen Kämmerlein noch mit "Optimierungen", die Information des Einwohnerrats geschieht durch den Kanton und die Medien. Pläne, welche wenigstens genauer über die geplanten Massnahmen orientieren würden, werden nicht herausgegeben - es lebe das Öffentlichkeitsprinzip. Gerüchte, wonach es Überlegungen gäbe, dass es gar nie zu einer Volksabstimmung über die Investition kommen solle, nähren Befürchtungen. Dass man in 30 Jahren über die Sanierung Schulhausplatz ähnlich denkt, wie wir über die Verkehrssanierung in den sechziger Jahren.

Bessere Option: Investitionen in zukunftsträchtigen ÖV

Was zu loben ist: Die Bereitschaft, viel Geld in eine Verbesserung der Verkehrssituation in der Region Baden zu investieren, scheint sowohl bei Kanton und Stadt vorhanden zu sein. Wenn dieses aber effizient eingesetzt werden soll, dann scheint es sinnvoll zu prüfen, wie das dichte, aber zeitweise an der Leistungsgrenze angelangte Netz des Öffentlichen Verkehrs in der Agglomeration Baden verbessert werden könnte.

Eine Stadtbahn für die Agglomeration Baden?

Schon alt ist die Idee einer Stadtbahn Baden auf dem Nationalbahntrassee. Mit der Einstellung des Personenverkehrs auf der Strecke zwischen Wettingen und Mellingen wurde eine Studie durchgeführt, welche das Potential einer Stadtbahnverbindung von Dättwil über den Bahnhof Oberstadt nach Wettingen geprüft wurde. Es ist nicht überraschend, dass dieses bescheiden ist. Gleichzeitig sind die Verkehrsströme vom Rohrdorferberg nach Baden gross, die Entwicklung in Dättwil und Richtung Reusstal rasant. Ziel dieser Reisenden ist aber meist die Badener Innenstadt mit dem Bahnhof Baden.

Es erscheint vielleicht zunächst als Utopie, aber dennoch: Für 100 Millionen Franken lässt sich auch eine Stadtbahn Baden realisieren - inklusive Tunnel zum Bahnhof Baden. Denn dies lässt sich mit Sicherheit sagen: Ein effizientes öffentliches Verkehrssystem für die Agglomeration Baden mit rund 100'000 Einwohnern muss direkt an den Bahnhof angebunden werden und so das regionale Zentrum erschliessen.

Keine Aufgabe für die Politik, sondern für Fachleute

Ob es denn aber eine Stadtbahn ist, ob ein Tunnel unter der Burghalde machbar ist, welchen Nutzen eine solche Stadtbahn hätte und welche Gemeinden alle davon profitieren können - dies kann heute noch nicht beurteilt werden. Erst recht nicht von der Politik. Hier müssen Fachleute ran.

Sinnvollerweise wären diese Fragen aber geklärt, bevor Millionen in das bestehende Verkehrssystem verbaut werden. Nicht zu vergessen: Die heutigen Entscheide und Bauten haben für Jahrzehnte Geltung. Daher wird das team baden in einer Interpellation im Einwohnerrat verlangen, dass durch ein Fachbüro eine Studie durchgeführt wird, welche die verschiedenen Optionen für die Weiterentwicklung des Öffentlichen Verkehrs in der Region prüft. Auch als Alternative zu den heutigen Planungen am Schulhausplatz. Denn 100 Millionen Franken sind zu viel Geld, als dieses in Lösungsansätze investiert wird, welche keine Probleme lösen. Gut denkbar, dass dann ein Monsterprojekt Schulhausplatz so wieder in den Hintergrund tritt.

 

von Tomislav Kokot
erschienen in: teamblatt 2009