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Erneuerbare Energien als Standardstrommix

Motion

Künftig sollen alle Stromkunden automatisch einen Standard-Strommix aus 100 Prozent erneuerbarer Produktion erhalten, mit der Möglichkeit weiterhin ein anderes, von der Regionalwerke AG Baden angebotenes Produkt zu wählen.

Der Bundesrat schreibt am 25. Mai 2011 in seiner Energiestrategie 2050 wörtlich: „Bund, Kantone, Städte und Gemeinden gehen mit gutem Beispiel voran. Sie sollen ihren Eigenbedarf an Strom und Wärme weitgehend durch erneuerbare Energieträger decken und den Grundsatz "Best-Practice" in allen Bereichen beachten.“ Strom aus nicht erneuerbaren Quellen ist seit Jahrzehnten umstritten. Trotz dieser Tatsache ist die Regionalwerke AG Baden erst seit kurzem aus dem Dornröschenschlaf erwacht, in dem sie den Trend zu neuen erneuerbaren Energien verschlafen hat. Die Energiewerke der Stadt Zürich (EWZ) bieten zum Beispiel seit 1996 eine Solarstrombörse an, als Einwohner von Baden können wir erst seit 2011 Solarstrom kaufen. Wer sich in Baden nicht aktiv für ein anderes Produkt entscheidet, wird mit einem Strommix bedient, dessen Anteile mit über 65 Prozent (ca. 43% inländischer und ca. 23% ausländischer Atomstrom, 0% Strom aus fossilen Energien), weit über dem im Inland produzierten nicht erneuerbaren Produktionsanteile von 43 Prozent (39% atomar und 4% fossil) liegt. Viele Stromversorgungsunternehmen, Wirtschaftsvertreterinnen, Energiefachleute, der Bundesrat, der Regierungsrat und der Nationalrat sind mit unterschiedlicher zeitlicher Vorstellung der Ansicht, dass eine sichere und weitgehend unabhängige Schweizer Stromproduktion künftig aus einem Mix verschiedener erneuerbarer Energien bestehen wird. So reagiert der Branchenverband

Nationalrats vom 8. Juni 2011 geordneten aus der Kernenergie auszusteigen: „Die Trendumkehr in der Energiepolitik ist nicht einfach und hat ihren Preis. Swisscleantech ist aber überzeugt, dass dabei die Chancen für die Schweiz überwiegen werden: eine neue Energiepolitik bedeutet bessere Energie, mehr Lebensqualität, weniger Abhängigkeit, höhere lokale Wertschöpfung und weniger CO sich schrittweise anzupassen und lenkt Investitionsentscheidungen in Richtung zukunftsfähige Technologien.“

Damit der Regionalwerke AG Baden bei der Förderung erneuerbarer Energien eine aktivere Rolle zuteil wird, ist es angezeigt, diese im Verkauf und Marketing erneuerbarer Stromprodukte in die Pflicht zu nehmen. Der steigende Anteil von Privaten und Unternehmen, die bereit sind, für einen nachvollziehbaren Aufpreis Strom aus erneuerbarer Produktion zu beziehen, ist erfreulich (vgl. auch das Postulat (23/11) „Photovoltaik in der Stadt Baden“ von Beni Knecht vom 28. März 2011). Diese Kunden sollen aber nicht mit zeitraubenden und zum Teil wenig nachvollziehbaren, unübersichtlichen Deklarationen und Preisbildungsinformationen kämpfen müssen. Künftig sollen alle Stromkunden automatisch einen Standard-Strommix aus 100 Prozent erneuerbarer Produktion erhalten, mit der Möglichkeit weiterhin ein anderes, von der Regionalwerke AG Baden angebotenes Produkt zu wählen. Damit bleibt die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten erhalten, und die Voraussetzungen für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien werden verbessert. 

siehe dazu die Motion von Jonas Fricker und Stefan Häusermann vom 24. Juni 2011

 

Progressive Energie- und Netznutzungstarifen mit Lenkungswirkung

Postulat

Die herkömmlichen Stromtarifsysteme wirken sich negativ auf einen effizienten und sparsamen Stromverbrauch aus. Mit einer progressiven Tarifstruktur lässt sich hingegen eine signifikante Stromeinsparung erreichen resp. die Auslastung des Stromnetzes optimieren. von Jonas Fricker

In der Trendforschung ist unbestritten, dass nach dem Boom der Erdölbranche und der ITBranche nun der Boom der ressourceneffizienten Technologien (inkl. der Nutzung erneuerbarer Ressourcen) kommen wird. Die ökologische Modernisierung der Wirtschaft ist ein Muss, denn die globalen Ressourcen sind knapp und die Ansprüche der Menschheit steigen wegen dem Bevölkerungswachstum und dem Streben nach mehr materiellem Wohlstand. Es gibt drei Lösungsansätze, um der Herausforderung der globalen Ressourcenknappheit zu begegnen: Erstens die freiwillige oder von einer Obrigkeit verordnete Suffizienz (Selbstbeschränkung), die aber erst geschieht, wenn der Leidensdruck gross ist. Zweitens die Ungleichverteilung der Ressourcen, die jedoch als negative Begleiterscheinung Migrationsströme zur Folge hat, was zu Konflikten bis hin zu Kriegen führt. Drittens die Ressourceneffizienz (inkl. Nutzung erneuerbarer Ressourcen). Die Wichtigkeit der Ressourceneffizienz wird gegenüber der Ungleichverteilung in Zukunft noch mehr an Terrain gut machen, da der globale Druck wegen der Globalisierung (z.B. Bankgeheimnis) mit unehmender Ungleichverteilung zunimmt. Auch gegenüber der Suffizienz ist die Ressourceneffizient klar im Vorteil, da die Erfahrung zeigte, dass die Bevölkerungsmehrheit das Konzept der Suffizienz erst in echten Notlagen umsetzt.

Zwischenfazit: Ressourceneffiziente Technologien sind eine grosse Chance für die technologisch führenden Nationen, da die globale Nachfrage nach innovativen Lösungen gross ist nd noch weiter steigen wird.  

Um die Entwicklung der ressourceneffizienten Technologien zu fördern, braucht es einen Heimmarkt, in dem man seine Produkte testen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Schweiz und in unserem Fall die Stadt Baden diejenigen Firmen und Haushalte belohnt, die mit der Ressource Strom sparsam umgehen. Diejenigen, die viel Strom verbrauchen, sollen pro kWh mehr bezahlen, als diejenigen, die wenig Strom verbrauchen. So schaffen wir die richtigen Anreize, um ressourceneffiziente Technologien zu fördern.   

Die herkömmlichen Stromtarifsysteme wirken sich negativ auf einen effizienten und  parsamen Stromverbrauch aus. Ein hoher Stromkonsum wird heutzutage mit niedrigen Tarifen und einheitlichen Grundpauschalen gegenüber einem sparsamen und effizienten Verbrauch belohnt. Dies obschon Grossverbraucher mit der Auslegung der Infrastruktur (Netz- und Speicherkapazitäten) überdurchschnittlich zu den Kosten der Elektrizitätsversorgung beitragen. Mit einem ansteigendem Preis pro kWh verbrauchten Strom wird ein finanzieller Anreiz geschaffen, den Stromkonsum niedrig zu halten und dessen fortschreitender Zunahme entgegenzuwirken. Zudem kann mit der Einführung einer entsprechend progressiven Tarifstruktur der Effekt abgeschwächt werden, dass mit der Zunahme der verkauften Strommenge in der Regel auch höherer Gewinne für die Stromversorgungsunternehmen einhergehen. Erfahrungen in anderen Ländern (Italien, Kalifornien) zeigen auf, dass mit einer progressiven Tarifstruktur eine signifikante Stromeinsparung erreicht resp. eine Stromverbrauchszunahme Tarifen dahingehend profitieren, dass sich die Auslastung des Stromnetzes optimieren lässt.

Bei der Ausgestaltung eines progressiven Tarifsystems sind verschiedene Varianten möglich, bei denen Einspareffekte und Effizienzgewinne zum Tragen kommen. Dies kann zum Beispiel durch eine Beseitigung der Grundpauschalen, ein Bonus-Malus-System, eine Einführung einer Progression der Netznutzungspreise und/oder der Energiepreise erfolgen. Um die wirtschaftsverträglichkeit progressiver Stromtarife für Industrie und Gewerbe zu gewährleisten, kann bei  Nachweis der effizienten Energieverwendung z.B. ein so genannter Effizienzbonus (Reduktion der  Energierechnung) gewährt werden (dieser wurde in der Stadt Bern erfolgreich eingeführt). Dadurch wird das Einspar- und Effizienzpotential der Wirtschaft berücksichtigt, was ihr mittelfristig Wettbewerbsvorteile verschafft, ohne deren kurzfristige finanzielle Konkurrenzfähigkeit zu schmälern.  

siehe dazu das Postulat von Jonas Fricker und Stefan Häusermann zur Einführung von progressiven Energie- und Netznutzungstarifen

Wissen, woher das Gas weht

Die Erdgaspolitik der Regionalwerke Baden AG bietet dem Kleinkunden keinerlei Anreiz, Energie zu sparen.

gasWer von den Regionalwerken Erdgas bezieht, bezahlt einen Grundpreis in Höhe von CHF 20.-- pro Monat (ohne MwSt.) sowie einen vom Verbrauch abhängigen Arbeitspreis. Beispielhaft für Kleinkunden soll folgende Halbjahresabrechnung eines Zweipersonenhaushalts gelten: Ihr kann entnommen werden, dass einem Arbeitspreis – für das bezogene Gas – von Fr. 23.65 ein Grundpreis von Fr. 129.10 – für sechs Monatspauschalen – gegenüberstand. Anzunehmen ist, dass mit dem Grundpreis die Instandhaltungs- und Administrationskosten gedeckt werden, während der Arbeitspreis nur den Wert des bezogenen Gases darstellt. Das wirft Fragen auf, denn wie man sieht, übt die Menge der bezogenen Gasmenge einen unverhältnismässig kleinen Einfluss auf die Endabrechnung aus.

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