Wo im düsteren Mittelalter verurteilte Unholde ihre Strafe am Galgen empfingen, befindet sich die 15 Hektaren zählende, letzte grosse Baulandreserve der Stadt Baden. Im Juni 2007 sprach der Einwohnerrat einen Planungskredit für den am Rand von Dättwil liegenden ‹Galgenbuck›. In den nächsten Jahren sollen erste Planungsgrundlagen für spätere Bauprojekte entstehen. Bei der Planung haben nachhaltige Zielsetzungen und Rücksicht auf städtebauliche Gesamtordnung im Vordergrund zu stehen. Gesamtheitliche Planung Bedenkt man, dass auf diesem Gebiet ein Wohnquartier entsteht, dessen Einwohnerzahl derjenigen

Freienwils vergleichbar ist, so wird klar, dass die Planung gesamtheitlich und möglichst umfassend erfolgen muss. Dazu gehört auch, die verkehrstechnische Anbindung an die Kernstadt grundsätzlich zu überdenken. Das bestehende Strassennetz, namentlich die Mellingerstrasse, leidet mehrheitlich an chronischer, automobiler Verstopfung.

Auf den Öffentlichen Verkehr setzen

Auch wenn in naher Zukunft Sofortmassnahmen zur Kapazitätserweiterung der Mellingerstrasse getroffen werden, bringt das höchstens eine kurzfristige Linderung. Damit aus dem Galgenbuck kein Trabantendorf mit Hunderten Privatautos und unzähligen Garagen wird, braucht es eine gute Anbindung an den ÖV. Das bestehende Angebot beschränkt sich heute auf den Busbetrieb von RVBW und Postauto, welcher zu Spitzenzeiten bereits an seine Kapazitätsgrenzen stösst. Hier braucht es mutige neue Lösungsvorschläge, um den ÖV gegenüber dem Privatfahrzeug zu stärken.

Möglichkeiten nützen

Eine zukunftsweisende Idee zur Entwicklung einer nachhaltigen Lösung wäre der Betrieb einer Stadtbahn auf dem bereits vorhanden Bahntrassee Baden Oberstadt – Dättwil. Die parallel zur Mellingerstrasse verlaufende Bahnlinie liegt vor der Haustüre. Abgesehen von täglich vier bis fünf Güterzügen, bleibt das Gleis unbenutzt. Der Betrieb einer Stadtbahn auf dieser Linie entlastet die Mellingerstrasse massiv, da sowohl Quartierbewohner als auch Auswärtige auf die Bahn umsteigen können. Der Weg nach und durch Baden gestaltet sich schnell und einfach. Die stillgelegten Bahnhöfe Dättwil und Oberstadt werden wieder eröffnet, beim Badener Tor ein Zwischenhalt eingebaut.

Park&Ride entlastet Strassennetz

Auswärtige Autofahrer können das Fahrzeug beim Dättwiler Bahnhof abstellen und mit der S-Bahn in die Stadt fahren. Dort wartet im Veloparkhaus das Fahrrad für die Fortbewegung in der Stadt. Die Verbindung vom Bahnhof Oberstadt zum Hauptbahnhof und damit zum Hauptschienennetz und in die Innenstadt wird mit Bussen gewährleistet.

Leistungsfähiges und modernes Transportsystem

Durch den Bau von zwei Ausweichstellen wird ein dichter Taktfahrplan mit sich kreuzenden Zügen ermöglicht, so dass während den Stosszeiten alle 15 Minuten ein Zug fährt. Die Bewohner der Quartiere Galgenbuck, Dättwil und Meierhof sind so innerhalb von höchstens zehn Minuten am Hauptbahnhof oder wieder zurück zu Hause. Dadurch

lässt sich sogar in einem Aussenquartier das Konzept des autofreien Wohnens umsetzen. Baden zeigt der Schweiz, wie der Bahnlärm durch Verwendung von modernstem Rollmaterial und effizienter Schallschutztechnologien auf ein Minimum reduziert und die Wohnqualität in den Anrainerquartieren hoch gehalten werden kann.

Grosses Potential

Eine Badener S-Bahn ist nicht blosse Utopie, sondern besitzt als visionäre Idee ein grosses Potential, um zur Lösung von verkehrstechnischen Problemen beizutragen. Das team baden verfolgt die Idee der Stadtbahn und andere mutige Ideen mit grossem Interesse und setzt sich auf der politischen Ebene für deren Verwirklichung ein.

 

von Stefan Brand
erschienen in: teamblatt 2008