Das team baden ist erfreut, dass bei der jetzt eingeschlagenen Strategie die Lichtsignalsteuerung des Schulhausplatzes erhalten bleibt und Experimenten (Turbokreisel) eine Absage erteilt wird. Nur so kann der Busverkehr am Knoten selbst wirkungsvoll priorisiert und so die Anschlüsse am Bahnhof Baden gesichert werden. Wir nehmen die Verantwortlichen bei Kanton und Stadt beim Wort, dass die entstehenden Kapazitäten auch wirklich ausschliesslich dem Busverkehr zugute kommen. Die jetzt vorgeschlagene Lösung für den nicht motorisierten Verkehr, die Fussgänger und Radfahrer weiterhin unterirdisch führt, vermag hingegen angesichts der Bedeutung des Platzes für städtische Fuss- und Radbeziehungen nicht zu überzeugen. Alle sich bietenden Möglichkeiten, wenigstens einzelne dieser Beziehungen oberirdisch zu führen, sind deshalb konsequent zu nutzen.

Die vorgeschlagene neue Busachse mag gegenüber den ersten Vorschlägen betrieblich eine Verbesserung darstellen. Tatsache ist aber, dass die Altstadt von Baden in Zukunft durch den Bus konsequent umfahren wird. Die Einschätzung, dass die neue Führung keine Einbussen der öV-Erschliessungsqualität zur Folge hat, ist unter diesen Umständen nicht haltbar: Die vorgesehene neue Haltestelle beim Cachet liegt peripher zum Zentrum und kann zudem kaum attraktiv gestaltet werden. Der Verlust der Haltestelle Weite Gasse für die RVBW-Busse wird dadurch bei weitem nicht kompensiert. Damit werden eindeutig falsche Signale gesetzt. Wir verlangen, dass die noch bestehenden Spielräume zur verbesserten Anbindung der Weiten Gasse an das Busnetz genutzt werden, insbesondere durch eine möglichst direkte Zugänglichkeit der verbleibenden Haltestellen. Dem Gewerbe in der Weiten Gasse, welches sich mit Vehemenz für die busfreie Weite Gasse eingesetzt hat, ist zu wünschen, dass die Erhöhung der Aufenthaltsqualität wenigstens mehr Kunden bringt, als mit der schlechteren öV-Anbindung verloren gehen.

Dem kurzfristig geplanten Kapazitätsausbau durch den Ausbau der Zufahrt Wettingerstrasse auf zwei Spuren im Knotenbereich des Brückenkopfs Ost kann das team baden bei sorgfältiger Gestaltung zustimmen. Die zweite Etappe mit einer niveaufreien Querung Richtung Autobahn lehnen wir hingegen entschieden ab. Dieses Projekt würde mit den nötigen Portalbereichen schwere städtebauliche Schäden mit sich bringen, die das Quartier Limmat rechts eindeutig abwerten würden.

Der angestrebten Verbreiterung der Mellingerstrasse auf drei Spuren und dem Bau eines neuen Kreisels lehnt das team baden ebenso entschieden ab. Diese Massnahmen verstärken die ohnehin schon grosse Trennung des Meierhofquartiers. Die Mellingerstrasse muss unbedingt als städtebaulich wertvoller Raum von Fassade zu Fassade gestaltet werden, so dass Vernetzungen innerhalb des Quartiers ermöglicht werden. Dazu braucht es nicht neue Verkehrsflächen und Begradigungen, sondern endlich die konsequente Pförtnerung des einfahrenden Verkehrs am Badener Tor, damit nicht mehr Verkehr durch den Meierhof fährt, als der Schulhausplatz bewältigen kann. Wir werden einen Ausbau der Strassenbreite nicht akzeptieren, solange immer noch jeden Morgen der Bus im Rückstau bis zum Schademühleplatz stecken bleibt.

Die konsequente Umsetzung des Verkehrsmanagements der Region Baden mit der Pförtnerung des einfahrenden Individualverkehrs und der Priorisierung der Busse stellt aus Sicht des team baden denn auch die einzige zweckmässige Weiterentwicklung des Strassennetzes über die Sanierung des Schulhausplatzes hinaus dar. Wenn Regierungsrat Peter Beyeler an einer Tagung der Bauwirtschaft schon die einigermassen originelle Analogie einer drohenden Verkehrspandemie bemüht, so sollte er doch wissen, dass man Seuchen dadurch eindämmt, dass man den Erreger (Verkehrsaufkommen Individualverkehr) bekämpft, und nicht, indem man wirkungslose und teure Medikamente (Martinsbergtunnel, Petersbergtunnel) verabreicht. Die Einsicht, dass der Verkehrsknoten Schulhausplatz durch den starken Quell-/Zielverkehr des wichtigen Arbeitsplatz- und Einkaufsstandorts Baden an die Grenzen der Belastbarkeit gestossen ist und nicht durch die marginalen Transitströme, muss endlich auf allen Ebenen anerkannt werden.

Nach der sorgfältig durchgeführten Sanierung des Schulhausplatzes stehen für das team baden deshalb als nächstes zwei Aufgaben im Vordergrund: Einerseits die konsequente Umsetzung des regionalen Verkehrsmanagements im Grossraum Baden, andererseits eine Zweckmässigkeitsbeurteilung für eine Stadtbahn im Raum Baden (z.B. durch eine Verlängerung der Limmattalbahn), um den Anteil des öffentlichen Verkehrs zu erhöhen und damit das Strassennetz zu entlasten. Weitere Planungen für Tunnelstrecken zur Entlastung der Badener Klus sind dagegen eine reine Verschleuderung von Steuergeldern und deshalb umgehend einzustellen.

Baden, 10. Juli 2009, Stephan Erne, Tomislav Kokot