Unten durch - der Schulhausplatz darf nicht zum neuen Baregg werden!

Unten durch - der Schulhausplatz darf nicht zum neuen Baregg werden!
Baden baut. Viel und oft. Warum das sowohl gut als auch schlecht ist, und warum gute Lösungen auch etwas kosten dürfen, lesen Sie hier.

Die grossen Bauprojekte der letzten Legislaturperiode haben vor allem nördlich der Innenstadt stattgefunden. In der neuen Legislaturperiode steht der Stadt und Ihren Bewohnerinnen und Bewohnern eine neue grosse Baustelle bevor: Der Schulhausplatz soll neu gestaltet, der Verkehr neu geführt und das Leben den Fussgängern und Fahrradfahrern einfacher gemacht werden.

Der Schulhausplatz ist ein wichtiger Verkehrsknoten, und die planerischen Rahmenbedingungen sind eher eng, trotzdem oder gerade deswegen hat sich das team einige Überlegungen gemacht, wie ein neuer Schulhausplatz aussehen soll:

Der ÖV hat Vortritt…

Der Stadtrat verspricht: «Ein neuer Schulhausplatz darf nicht zu einem höheren Verkehrsaufkommen führen.» Das team meint: im Gegenteil, durch eine klare Förderung des Öffentlichen- und des Langsam-Verkehrs könnten sogar Frequenzen abgebaut werden. Der Stadtrat ist Garant dafür, dass das Verkehrsaufkommen mindestens stabil gehalten wird und die Interessen der Stadt und Ihrer Bewohner berücksichtigt werden. Das team baden fordert, dass dies nicht nur Versprechungen bleiben, sondern dass sich der Stadtrat mit aller Kraft beim Kanton einbringt, um diese auch in die Realität umzusetzen.

…nebst Velos und Fussgängern!

Je grösser der kollektive Nutzen eines Verkehrsmittels ist, desto höher soll es priorisiert werden. Busse sollen unbehindert Vorfahrt haben, Fahrradfahrer sollen sicher und effizient über den Platz kommen und Fussgängerinnen dürfen nicht in dunkle Unterführungen verbannt werden.

SchulhausPLATZ!

Den Schulhausplatz wieder zum Platz machen: Während Jahren war der Schulhausplatz ein «richtiger» Platz vor dem Eingang der Altstadt. Erst seit der Schulhausplatz in den 50er Jahren sein heutiges Gesicht bekommen hat, wurde der eigentliche Platz vor das Bezirksgebäude verbannt, wo er heute vor allem als Parkplatz für die Kantonspolizei und das Gericht dient. Wir wollen einen Schulhausplatz, der seinen Namen verdient: Der Verkehr lässt sich problemlos in Richtung Bezirksgericht verlegen, somit kann der Raum vor der Weiten Gasse der Bevölkerung zurückgegeben werden. So entsteht ein neuer zentraler Platz in der Innenstadt – ideal für Fastnacht und Badenfahrt; und im Sommer wird das gastronomische Bermudadreieck um den Cordulaplatz verlängert.

Unter Platzgestaltung versteht das team – und wahrscheinlich auch Sie – höchstwahrscheinlich etwas anderes als die Bauwerke, die in unserer Stadt in den letzten Jahren entstanden sind. Wir wollen weder einen zweiten Trafoplatz mit einbetonierten Bäumen, noch eine Betonwüste, wie sie vor dem Bahnhof entstanden ist. Ein Platz gehört in erster Linie der Bevölkerung, deshalb soll sie sich auch in den Gestaltungsprozess einbringen dürfen. Wer weiss, vielleicht entsteht so ein neuer Lieblingsplatz für uns Badener!

Flankierende Massnahmen

Seit Jahren kämpft das team dafür, dass der Öffentliche Verkehr in der Mellingerstrasse und in den anderen Zubringerachsen bevorzugt behandelt wird. Mit der Fertigstellung der dritten Baregg-Röhre wäre die Chance da, die Mellingerstrasse wesentlich zu entlasten und den Busverkehr stadteinwärts mittels verschiedenen, einfachen Tricks zu verflüssigen. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, bestehende Busbuchten aufzuheben. Die Busse würden somit auf der Strasse halten, Autos könnten nicht mehr am wartenden Bus vorbeifahren – diese Autos ständen am Schulhausplatz folglich nicht mehr vor, sondern hinter dem Bus, was in Spitzenzeiten ein wesentlicher Zeitgewinn für die Pendler bedeuten würde.

Beherzte Forderungen

Die Gemeinde Frauenfeld hat einen grossen Kreisel unter den Boden verlegt. Klar, dass ein solches Bauwerk einiges kostet. Das team ist aber überzeugt, dass die städtebauliche Bedeutung des Schulhausplatzes genügend Gewicht hat, ein solches Unterfangen zu rechtfertigen. Wir fordern, dass eine gestaltungsoptimierte Lösung klar über eine kostenoptimierte zu stellen ist: gute Lösungen dürfen auch etwas kosten.

von Christian Isler
erschienen in: teamblatt 2005