Progressive Energie- und Netznutzungstarifen mit Lenkungswirkung

Postulat

Die herkömmlichen Stromtarifsysteme wirken sich negativ auf einen effizienten und sparsamen Stromverbrauch aus. Mit einer progressiven Tarifstruktur lässt sich hingegen eine signifikante Stromeinsparung erreichen resp. die Auslastung des Stromnetzes optimieren. von Jonas Fricker

In der Trendforschung ist unbestritten, dass nach dem Boom der Erdölbranche und der ITBranche nun der Boom der ressourceneffizienten Technologien (inkl. der Nutzung erneuerbarer Ressourcen) kommen wird. Die ökologische Modernisierung der Wirtschaft ist ein Muss, denn die globalen Ressourcen sind knapp und die Ansprüche der Menschheit steigen wegen dem Bevölkerungswachstum und dem Streben nach mehr materiellem Wohlstand. Es gibt drei Lösungsansätze, um der Herausforderung der globalen Ressourcenknappheit zu begegnen: Erstens die freiwillige oder von einer Obrigkeit verordnete Suffizienz (Selbstbeschränkung), die aber erst geschieht, wenn der Leidensdruck gross ist. Zweitens die Ungleichverteilung der Ressourcen, die jedoch als negative Begleiterscheinung Migrationsströme zur Folge hat, was zu Konflikten bis hin zu Kriegen führt. Drittens die Ressourceneffizienz (inkl. Nutzung erneuerbarer Ressourcen). Die Wichtigkeit der Ressourceneffizienz wird gegenüber der Ungleichverteilung in Zukunft noch mehr an Terrain gut machen, da der globale Druck wegen der Globalisierung (z.B. Bankgeheimnis) mit unehmender Ungleichverteilung zunimmt. Auch gegenüber der Suffizienz ist die Ressourceneffizient klar im Vorteil, da die Erfahrung zeigte, dass die Bevölkerungsmehrheit das Konzept der Suffizienz erst in echten Notlagen umsetzt.

Zwischenfazit: Ressourceneffiziente Technologien sind eine grosse Chance für die technologisch führenden Nationen, da die globale Nachfrage nach innovativen Lösungen gross ist nd noch weiter steigen wird.  

Um die Entwicklung der ressourceneffizienten Technologien zu fördern, braucht es einen Heimmarkt, in dem man seine Produkte testen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Schweiz und in unserem Fall die Stadt Baden diejenigen Firmen und Haushalte belohnt, die mit der Ressource Strom sparsam umgehen. Diejenigen, die viel Strom verbrauchen, sollen pro kWh mehr bezahlen, als diejenigen, die wenig Strom verbrauchen. So schaffen wir die richtigen Anreize, um ressourceneffiziente Technologien zu fördern.   

Die herkömmlichen Stromtarifsysteme wirken sich negativ auf einen effizienten und  parsamen Stromverbrauch aus. Ein hoher Stromkonsum wird heutzutage mit niedrigen Tarifen und einheitlichen Grundpauschalen gegenüber einem sparsamen und effizienten Verbrauch belohnt. Dies obschon Grossverbraucher mit der Auslegung der Infrastruktur (Netz- und Speicherkapazitäten) überdurchschnittlich zu den Kosten der Elektrizitätsversorgung beitragen. Mit einem ansteigendem Preis pro kWh verbrauchten Strom wird ein finanzieller Anreiz geschaffen, den Stromkonsum niedrig zu halten und dessen fortschreitender Zunahme entgegenzuwirken. Zudem kann mit der Einführung einer entsprechend progressiven Tarifstruktur der Effekt abgeschwächt werden, dass mit der Zunahme der verkauften Strommenge in der Regel auch höherer Gewinne für die Stromversorgungsunternehmen einhergehen. Erfahrungen in anderen Ländern (Italien, Kalifornien) zeigen auf, dass mit einer progressiven Tarifstruktur eine signifikante Stromeinsparung erreicht resp. eine Stromverbrauchszunahme Tarifen dahingehend profitieren, dass sich die Auslastung des Stromnetzes optimieren lässt.

Bei der Ausgestaltung eines progressiven Tarifsystems sind verschiedene Varianten möglich, bei denen Einspareffekte und Effizienzgewinne zum Tragen kommen. Dies kann zum Beispiel durch eine Beseitigung der Grundpauschalen, ein Bonus-Malus-System, eine Einführung einer Progression der Netznutzungspreise und/oder der Energiepreise erfolgen. Um die wirtschaftsverträglichkeit progressiver Stromtarife für Industrie und Gewerbe zu gewährleisten, kann bei  Nachweis der effizienten Energieverwendung z.B. ein so genannter Effizienzbonus (Reduktion der  Energierechnung) gewährt werden (dieser wurde in der Stadt Bern erfolgreich eingeführt). Dadurch wird das Einspar- und Effizienzpotential der Wirtschaft berücksichtigt, was ihr mittelfristig Wettbewerbsvorteile verschafft, ohne deren kurzfristige finanzielle Konkurrenzfähigkeit zu schmälern.  

siehe dazu das Postulat von Jonas Fricker und Stefan Häusermann zur Einführung von progressiven Energie- und Netznutzungstarifen